Frostfutterknigge für Königsphyton

Über keine andere Schlangenart und deren Fressverhalten wird mehr diskutiert und spekuliert, als über den Königspython. Gerade in der heutigen Zeit, in der jedermann die Möglichkeit hat, sich ausführlich in allen Medien zu informieren, werden oftmals die skurrilsten Geschichten erzählt.

In jeder Gattung gibt es immer wieder Individuen, die schlechter ans Futter gehen als ihre anderen Artgenossen. So auch beim Königspython. Wobei der Python regius an sich für mich keinesfalls als Futterspezialist gesehen werden darf. Wenn es dann um das Thema Frostfutter geht, scheiden sich jedoch endgültig die Geister. Es gibt immer noch Lebendfutterverfechter, die behaupten, dass der Regius kein Frostfutter frisst. Dies kann jedoch heutzutage eindeutig widerlegt werden. Beachtet man gewisse „Regeln“, wird wohl so gut wie jeder Königspython auf Frostfutter umzustellen sein. Alle hier angegebenen Tipps & Tricks beruhen auf eigenen Erfahrungswerten und müssen nicht bei jedem Königspython funktionieren. Trotzdem ist es uns bisher gelungen, ausschließlich mit den folgenden Ratschlägen, auch „Könige“ zu übernehmen, bei denen es hieß, das Tier würde totes Futter strikt ablehnen, und diese dann ebenfalls auf Frostfutter umzustellen.

Vorteile von Frostfutter

  • keine Verletzungsgefahr für das zu fütternde Tier durch Abwehrbisse.
  • problemlose Lagerung von verschiedenen Mengen und Größen, so dass stets die passenden Futtertiere vorhanden sind.
  • kein Aufwand durch eine Futtertierzucht.
  • humanere Vorgehensweise gegenüber dem Futtertier.
  • geringere Gefahr von Krankheitserregern, da diese durch den Gefriervorgang größtenteils absterben.

Nachteile von Frostfutter

  • zwingende Mindestabnahme bei Frostfutter-Lieferung; so rentiert es sich nicht die hohen Versand- und Verpackungskosten (Trockeneis, Styroporbox etc.) bei kleinen Mengen zu investieren.
  • wird ein Futtertier einmal verschmäht so darf es nicht wieder eingefroren werden (Salmonellengefahr) und muss entsorgt werden.

Über die Beschaffung und die Überprüfung von Frostfutter auf Gefrierbrand etc. gibt es bereits genügend im Internet oder der Literatur zu lesen und so überspringen wir diese Punkte und gehen direkt zur Fütterung über. Die wichtigsten Tugenden bei der Umstellung eines Königspythons auf Frostfutter sind Geduld und Beobachtungsgabe. Man sollte seine Tiere genau beobachten und den richtigen Zeitpunkt abwarten, um das Futtertier anzubieten. Dazu sollte man entscheiden können ob das Tier hungrig genug ist und bereits in S-Stellung auf Beute lauert oder noch, ohne auch nur den Hauch von

Interesse zu zeigen, im Versteck liegt. Sollte man das Glück haben und seinen Pflegling bereits lauernd vorfinden, ist auch jetzt Zurückhaltung angebracht. Man muss unbedingt vermeiden, den Python durch zu viel Bewegung vor dem Terrarium oder dem Rack zu irritieren. Wenn möglich zeigt man sich der Schlange so wenig wie möglich. Bietet man nun das Futtertier an, muss man dem Tier erst mal die Möglichkeit geben, die Situation einzuschätzen und sollte das temperierte Futtertier in einiger Entfernung halten, um dem Python die Möglichkeit zu geben den Geruch aufzunehmen. Zeigt der Schützling nun Interesse und kommt züngelnd näher, hat man gute Chancen, Erfolg zu haben. Zieht er sich jedoch zurück oder versucht gar in die andere Richtung zu kriechen ist der Versuch sofort abzubrechen. Kommt man dem Tier jetzt noch näher oder berührt es gar mit dem Futtertier, macht man mehr kaputt anstatt etwas zu erreichen. ist das Futtertier jedoch geschlagen, sollte man rasch das Behältnis schließen, sich entfernen und einige Zeit abwarten, bevor man kontrolliert ob auch tatsächlich gefressen wurde. Manche Schlangen bezüngeln ihre Beute erst ausgiebig bevor sie mit dem eigentlichen Fressvorgang beginnen. Kommt man zu diesem Zeitpunkt wieder vor das Terrarium ist die Gefahr hoch, abermals Irritation zu schaffen, worauf der Fressvorgang abgebrochen werden kann.

 

Wichtige Parameter bei dem Verfüttern von Frostfutter

Temperatur

Wenn man in diesem Bezug Temperatur liest, denkt jeder sofort an das Erwärmen des vorher aufgetauten Futtertiers. Doch man sollte sich vor Augen führen, dass der Python regius, mit seinen Wärmerezeptoren, auch sämtliche andere Temperaturunter-schiede wahrnimmt. Ratten und Mäuse haben eine Körpertemperatur von ca. 38°C. Das ergibt auf dem Fell, je nach Umgebungstemperatur, eine Temperatur von etwa 31°C. Auf diese Temperatur sollte auch das Futtertier erwärmt werden um möglichst realitätsnahe Verhältnisse zu schaffen. Dies kann auf verschiedene Weisengeschehen, wie z.B.

  • Wasserbad
  • Fönen
  • Heizmatte
  • Wärmelampe

Zum Erwärmen mit Wasser sollte noch erwähnt werden, dass das Beutetier in einer Plastiktüte ins Wasser gegeben werden sollte, um nicht den eigentlichen Geruch des Tieres weg zu spülen. Die Tüte sollte auch beschwert werden um das Treiben auf der Wasseroberfläche zu vermeiden. Auf diese Art und Weise würde die Beute nur auf einer Seite erwärmt werden.

Irritierende Wärmequellen

  • die eigene Hand, die die Pinzette hält
  • die Pinzette selbst
  • Elstein- oder Wärmestrahler im Terrarium

Es ist sicher schwierig für den Regius, ein Futtertier anhand von Wärme wahrzunehmen, wenn zehn Zentimeter daneben ein Wärmestrahler mit einer Oberflächentemperatur von über 100°C läuft. Abhilfe dabei schaffen kann man, indem man beim Anbieten von Futter eine möglichst lange Pinzette benutzt (länger als 40 cm),und diese zusätzlich mit einem Handschuh hält.

Geruch

  • Desinfektionsmittel-Geruch an der Pinzette, an den Händen oder im Raum
  • der Pfleger hat vorher mit der Hand, mit welcher er die Pinzette hält, geraucht
  • auch Kosmetika oder Parfums können meiner Meinung nach störend sein (für die Schlange zumindest)

Abhilfe schaffen kann man, indem die Pinzette vor dem Füttern mit kaltem Wasser abgespült wird. Das entfernt ungewollte Gerüche und senkt zusätzlich die Temperatur. Des Weiteren gehört es für mich dazu, sich vor und nach dem Umgang mit sämtlichen Reptilien sowieso die Hände zu waschen.

Das Experimentieren

Wie bereits zu Anfangs erwähnt, ist der Python regius eine sehr sensible Schlangenart und es bedarf oftmals einiger Experimente, um seine Tiere auf Frostfutter umzustellen. Wir selbst haben auch schon so einige Experimente gemacht. Manche waren vielversprechend, manche wiederum völlig nutzlos.

Hier mal einige Auszüge aus unserem „Frostfutter Versuchslabor“.

Einiges zum schmunzeln, unter dem Motto „Man kann es auch übertreiben“ .

  • zuerst natürlich verschiedene Futtertiergrößen so wie Futtertierarten
  • verschiedene Fütterungszeiten
    So hatten wir einige Exemplare, welche erst spät Nachts ans Futter gingen. Andere (besonders Schlüpflinge) wiederum haben ihr erstes Frostfuttertier in den frühen Morgenstunden geschlagen und gefressen.
  • verschiedene Fütterungsmethoden
    Von „über Nacht reinlegen“ bis zum „hektischen zappeln“ alles versucht.
  • Verschiedene Temperaturen
    Von 28 Grad bis hin zum übertemperieren auf 42°C. Bei uns klappt es am Besten bei einer Futtertiertemperatur von ca. 32 Grad.
    Sogar die Futterpinzette wanderte in den Froster.
  • Dunkle Kleidung beim Füttern
    Am besten haben die Tiere beim tragen von aktueller Mode aus Ghana
    gefressen .
    (Wie ich schon öfters im Netz gelesen habe: Die gerechte Strafe für
    den Königspython Halter ist der Königspython selbst.)
  • Jack in the Box“
    Die Schlange zusammen mit totem, aufgewärmtem Futtertier, über Nacht in eine enge Box sperren.
  • Frostfuttertier mit Geflügelfedern präparieren (Alternativ kann man sich auch selbst beim Füttern mit Federn präparieren )

Zu guter Letzt habt ihr wohl gemerkt das sich jeder Königspython anders verhält, aber unserer Meinung nach sind gut 99 % aller Tiere mit dem richtigen Kniff auf Frostfutter umzustellen.

Und jetzt viel Spaß beim experimentieren und immer schön, trotz allem, das Gewicht der Tiere im Auge behalten.

Euer StarReptiles Team

 Mimi & Flo